Die Geburt – die gefährlichste Stunde im Leben eines Menschen

Deshalb gibt es in der ärztlichen Geburtsmedizin zwei magische Zahlen, bei denen es um Sicherheit geht: Wenn sich die Situation während einer Geburt unvorhergesehen verschlechtert, sollte es nicht länger als 10 Minuten dauern, bis die Hebamme einen geburtsmedizinisch ausgebildete Ärztin oder einen Arzt geholt hat, und nicht länger als 20 Minuten sollte es dauern von dem Moment, in dem eine Ärztin oder ein Arzt die Notsituation festgestellt haben bis zum Beginn des Kaiserschnitts.

Die Geburt – die gefährlichste Stunde im Leben eines Menschen

Diese Zeiten können nur eingehalten werden, wenn die Entbindung in einer personell gut ausgestatteten Geburtsklinik stattfindet oder allenfalls dann, wenn ein von Hebammen geführter Kreißsaal in unmittelbarer Nähe zu einem Krankenhaus liegt, das rund um die Uhr eine fachärztliche Versorgung garantiert.

Für Geburten, die von Hebammen betreut werden, gibt es keine solchen strengen Vorgaben. Deshalb dürfen Hausgeburten und Entbindungen in Geburtshäusern auch weit weg von einer Geburtsklinik durchgeführt werden. In Bayern endete nach langer Prozessdauer ein Verfahren gegen eine erfahrene Hebamme; sie hatte eine Entbindung in einem Geburtshaus betreut, die in eine unvorhergesehene Notsituation eingemündet war. Zunächst waren während der Geburt die Herztöne des Kindes langsamer geworden, ein Anzeichen für eine verschlechterte Versorgung des kindlichen Gehirns mit Sauerstoff. Die Hebamme hatte das jedoch zunächst nicht als Alarmzeichen gedeutet. Als der Herzschlag des Kindes immer langsamer wurde, holte sie letztlich einen Notarztwagen und ließ die Frau in die Klinik fahren. Bis schließlich der Kaiserschnitt durchgeführt wurde, waren von Beginn der kritischen Situation an zwei Stunden vergangen. Das Kind kam mit Anzeichen eines schweren Sauerstoffmangels zur Welt und bleibt sein Leben lang schwerbehindert.

„Die Mutterschaftsrichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses sehen die Schwangerenvorsorge in ärztlichen Händen“, so Dr. Albring. „Wenn Hebammen die Schwangere mitbetreuen, ist das bei unauffälligen Schwangerschaften ebenfalls in Ordnung. Auch die Leitung einer normalen, problemlosen Geburt durch eine Hebamme ist selbstverständlich und sogar gesetzlich festgelegt. Aber bei jeder Geburt, selbst bei völlig unauffälligen Schwangerschaftenm kann sich plötzlich eine Gefahrensituation ergeben“, so der Frauenarzt, „bei der nur ein schneller Kaiserschnitt schwere Schäden und auch dauerhafte geistige und körperliche Behinderungen des Kindes vermeiden kann. Keine Frau und keine Hebamme kann das vor der Geburt mit Sicherheit ausschließen. Deshalb sollte es für jede Frau ein Anliegen sein, aus Sorge um die Gesundheit des lange erwarteten Kindes – gegebenenfalls ambulant – in einer Klinik zu entbinden. Eine persönliche Atmosphäre und die Begleitung durch eine eigene Hebamme werden dadurch ja nicht ausgeschlossen.“

Quelle:
Berufsverband der Frauenärzte (BVF e.V.)
Internet: www.bvf.de

mzt

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12 Antworten

  1. zaphira sagt:

    ich bin heilfroh, in einer klinik mit MAXIMALversorgung gewesen zu sein… denn diese wurde auch (leider) von uns in anspruch genommen… ich sage nur: mekoniumaspiration… braucht kein mensch! ich will mir gar nicht (mehr) ausmalen, was in einem geburtshaus gewesen wäre…

  2. Moosmutzel sagt:

    Zitat: „Eine persönliche Atmosphäre und die Begleitung durch eine eigene Hebamme werden dadurch ja nicht ausgeschlossen.“

    Doch- in vielen Fällen ist das leider so. Personaleinsparungen und Stress sind oft in vielen Kliniken ein Alltagsbild. Ich verstehe, warum viele dann Alternativen suchen. Meine Erfahrungen mit Geburtshilfestationen waren selber nicht die Schönsten 🙁

  3. an sagt:

    Danke Moosmutzel, genau so ist es!
    Durch Personalmangel und zu unsichere Ärzte ist es nicht schön in den meisten Krankenhäusern! Viele handeln viel zu schnell aus Unsicherheit und Unwissen!

    Privatsphäre?Wenn man nebenan 3andere Frauen um Hilfe rufen hört?!

    Nein!
    Bei einer unauffälligen Schwangerschaft sollte man sich gründlig überlegen ob man in einem KH entbinden möchte!
    Es gibt so tolle Geburtshäuser-oft auch in der Nähe von Krankenhäusern!
    Ich selber war in einem und musste dann leider wegen Geburtsstillstand ins Krankenhaus, leider!!!
    Ich würde beim nächsten Kind trotzdem wieder ins Geburtshaus gehen!

    Jeder soll sich bei einer Geburt / Entbindung sicher fühlen! Deshalb sollte man in der Schwangerschaft gut darüber nachdenken! Schief gehen kann überall etwas, auch beim Str. überqueren! Der liebe Gott hat sich doch nicht nur überlegt, dass wir ein Kind in uns heranreifen lassen können, sondern auch, dass es da raus muss! Also liebe Frauen, habt mal mehr Vertrauen in euch!!!

    Und P.S. in einem Krankenhaus gibt es auch „nette“ Keime, die für kleine Säuglinge bestimmt nix sind!

  4. Denise sagt:

    Nach zwei Krankenhausgeburten habe ich mein drittes Kind alleine zu Hause auf die Welt gebracht. In ein Krankenhaus möchte ich zur Entbindung nicht mehr, das Risiko, dass aufgrund der ständigen Untersuchungen und Einmischungen etwas passiert ist mir viel zu groß!
    Kommt es im Krankenhaus zu Komplikationen sagt jeder nur „was ein Glück, dass Du in der Klinik warst“, warum sagt keiner „schade, zu Hause wäre das bestimmt nicht passiert“?

    • Julia sagt:

      Danke, Denise! Ein wahres Wort! Als Klinikhebamme erlebe ich immer wieder Fälle, die Zuhause NIE passiert wären, da man dort keine Kristellerhilfe/Powerpressen/Wehentropf/tagelange Einleitung mit Minprostin etc. durchführt. Und die vielen verlegten Kinder wg Anpassungstörungen nach Wunschkaiserschnitten, weil sie chemisch (Wehen machen die Lunge „reifer“ auf chemischer Basis) nicht auf die Geburt vorbereitet wurden und zuviel Fruchtwasser in der Lunge bleibt. Die desolate Personalsituation, schlechte Herztöne beim Kind werden übersehen, weil man als Hebamme zuviele Frauen aufeinmal betreut!! Und das Schlimmste: Wenn was war, heißt es: Zum Glück waren wir in der Klinik! Und so entsteht immer mehr das Bild, dass Hausgeburten gefährlich sind. Ich führe seit Jahren Buch über jede von mir geleitet Geburt, hunderte Kinder habe ich auf die Welt geholfen. Die WAHREN Notfälle sind selten und in meinen Fällen waren sie immer in der Anamnese der Frau begründet oder der Art und Weise der heutigen Geburtsmedizin geschuldet (vorzeitige Plazentalösung –> Ursache starke Raucherin mit 2 Kaiserschnitten in der Vorgeschichte (alles Ursachen für eine vorzeitige Lösung…), solche Frauen werden wg der Risikofaktoren für eine außerklinische Geburt abgelehnt; starke atonische Nachblutung –> tagelange (zu frühe) Einleitung mit Misoprostoltabletten, Gel UND Wehentropf, dann Sectio –> Uterus komplett erschlafft durch Überstimulation, Frau blutet stark). Macht die Augen auf! Ein Krankenhaus ist ein Wirtschaftsunternehmen!! Eine Amniotomie, Episiotomie, Sectio etc. bringt definitiv mehr Geld!! In echten Notfällen ist ein Op, die Sectio, etc ein wahrer Segen. Doch medizinisch wirklich notwendige Eingriffe kann der Laie leider nicht selbst von den täglich stattfindenden Unnötigen differenzieren. Ich arbeite gerne in der Klinik mit „meinen“ Ärzten und der Möglichkeit schnell in den Op fahren zu können, doch was sich wirklich hinter den vielen Eingriffen verbirgt ist: Macht und Geld und das stärkste Druckmittel: Die Angst der werdenden Eltern!

  5. 3fach-Mama sagt:

    Genau, weil eine Hebamme bei einer Geburtshausgeburt oder einer Hausgeburt auch immer erst um sprichwörtlich „5 vor 12“ verlegt… So ein Quatsch!

    Ich habe keines meiner 3 Kinder im Krankenhaus entbunden, das nächste Krankenhaus lag immer min. 15-20min Fahrtzeit entfernt. Für mich war das Krankenhaus nie eine Option, weil mir eine ständige Hebammenbetreuung während der Geburt wichtig war (ich habe von keiner Mama im Freundes- oder Bekanntenkreis erlebt, dass während der gesamten Geburt im Krankenhaus eine Hebamme für sie alleine da war!) und für mich ein männlicher Frauenarzt während der Geburt mehr als nur ein absolutes No-Go war. Wenn ich dann von einer Freundin noch dazu höre, dass man mitunter mal für zukünftige Ärzte als „Anschauungsmaterial“ dient – da könnte ich mich nicht ansatzweise entspannen.

    Mein erstes Kind kam im Geburtshaus auf die Welt, Kind 2 und 3 waren Hausgeburten – das 2. ungeplant im Alleingang. Weder beim 2. noch beim 3. Kind wären wir rechtzeitig in einem Krankenhaus angekommen; hätten wir das versucht, hätten wir im Auto entbunden…

    Als werdende Eltern sind wir aufgrund der überhöhten Versicherung jetzt schon enorm in unserer Wahlfreiheit des Geburtsortes eingeschränkt, Geburtshäuser und Hausgeburtshebammen sind nur noch sehr schwer zu finden.
    Die Geburten meiner Kinder habe ich überwiegend sehr positiv in Erinnerung und würde sogar eine Alleingeburt einer Krankenhausgeburt vorziehen, wenn die Schwangerschaft und Pränataldiagnostik unauffällig sind…

  6. Benila sagt:

    Mekoniumaspiration wir auf Grund von fetalen Stress und Schocksituationen ausgelöst.

    Diese Stresssituationen, werden meistens, von manipulativen Eingriffen in den natürlichen Geburtsverlauf ausgelöst zB. Einleitungen, PDA und Kaiserschnitt ect pp.

    Alles was auf die Gebärenden einwirkt wirkt natürlich auch auf das Kind ein.

    Will heißen, man kriegt Probleme häufig gemacht wo keine sein müssten.

    Früher gab es GeburtsHILFE ( nein das war nicht im Mittelalter 😉 ) heute schickt man sich an GeburtsMEDIZIN zu leisten.

    Kaum einer Frau wird es noch erlaubt wirklich und wahrhaftig ungestört ihre Kinder zu gebären, ach sagte ich Kinder………..viele Frauen haben nach der ersten Geburt in der Klinik gar keinen Bock auf weitere Erlebnisse dieser Art.

    Entmündigt, übergangen und erniedrigt, kaum eine Frau die von einer „schönen Krankenhausgeburt“ berichtet.

    Alles war hochdramatisch und potenziell gefährlich, Kaiserschnittraten so hoch das sie aus medizinischer Sicht kaum mehr begründet werden können.

    Es gibt natürlich noch schöne unkomplizierte Geburten, diese finden meist außerklinisch statt, aber den Frauen spricht man selbstverständlich ab, sie hatten „Glück“.

    Ein natürlicher Ablauf der zu einer potenziellen Gefahrenquelle verkommen ist, die zu 100% überwacht werden muss.

    Von den toten Babys in den Kliniken und den toten Müttern redet dann niemand mehr, man( n) hat ja alles getan.

    In den letzten 10 Jahren ist bei KEINER Hausgeburt eine Mutter gestorben. Von den Klinikgeburten kann man das nicht behaupten.

    Sehr schlechter Artikel.

  7. Patricia sagt:

    Die Geburt – die gefährlichste Stunde im Leben eines Menschen. Allerdings, wenn man wie ich im kranken Haus entbunden wurde. Mit einer pampigen, unsympathischen Hebamme, der es schon zuviel war, mal einen Pezziball rauszuholen (war alles eingesperrt), in erzwungener Rückenlage entbinden muss (obwohl man es instinktiv in aufrechter Lage – bessere Nutzung der Schwerkraft – tun würde (würde manchen Dammriss vermeiden), wenn der gleiche Herr Doktor, der einen nachmittags um halb 3 schon untersucht hat, dann morgens um vier in der Ecke immer wieder einnickt und um halb fünf beim Nähen des Risses die Tamponade in der Scheide vergisst (kam dann nach sechs Tagen auf dem Klo zum Vorschein). Das Krankenhaus ist ja so sicher, wenn man auf überarbeitetes und müdes Personal trifft (nicht auszudenken, wenn ich tatsächlich einen kranken-Haus-gemachten Not-KS gebraucht hätte..). Sicher gebären geht anders. Nämlich zu Hause. Folgt man der Logik des Herrn Albring, müsste die Menschheit schon seit Jahrtausenden ausgestorben sein. Die Natur sorgt dafür, dass wir Frauen schwanger werden, sie hat es auch so eingerichtet, dass wir problemlos gebären können, wenn man uns mit Wehentropf, Kristeller, Zugang in der Hand, etc. verschont. In diesem Sinne danke Benila für deine fachlich sehr fundierten Beiträge!

  8. Renata sagt:

    Ich habe meine zwei Kinder auf natürlichem Wege zur Welt gebracht, und das ganz bewusst. Meine Erfahrung mit Geburtshäusern ist ähnlich wie bei Moosmutzel.. Ich denke auch, dass das Wichtigste ist, dass man sich wohlfühlt bei der Geburt und vertraut. Dennoch, hab in letzter Zeit immer wieder gelesen, dass „Wunschkaiserschnitte“ immer beliebter werden.
    Bei einer solchen Wahl, muss man ja ins KH. Ich halte mir da lieber alles offen, und werde auch im Falle einer zukünftigen Geburt versuchen, dass Kind natürlich zu gebären, mein Traum wäre eine Hausgeburt. Ich denke, dass ich mich da wirklich am wohlsten fühlen würden. Risiken hat man immer, egal ob KH, GH oder Hausgeburt…

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