Schadstoffe in Babykleidung – Worauf beim Kauf zu achten ist

Dass wieder Schadstoffe in Kinderschuhen entdeckt wurden, erschreckt viele Eltern. Die Gefahr, dass Schad- und Giftstoffe in industriell hergestellter Babykleidung enthalten sind, scheint größer zu sein, als der Verbraucher ahnt.

Wie erkannt man hochwertige Babykleidung?

Von Bioziden und Pestiziden, die beim Anbau von Baumwolle und anderen Naturfasern verwendet werden, über Formaldehyde und Schwermetalle, die bei der Weiterverarbeitung in die Textilien gelangen, reicht die Spannbreite möglicher Schadstoffe in Textilien. Diese reizen die Babyhaut noch stärker als die Haut von Erwachsenen, weil Babyhaut dünner ist und sie die notwendigen Abwehrstoffe noch nicht gebildet hat. Im schlimmsten Fall können Schadstoffe sogar allergische Reaktionen hervorrufen. Worauf sollen sich Eltern beim Kauf von Babykleidung also überhaupt noch verlassen?

Checkliste – Wie erkennt man hochwertige Babykleidung?

Es gibt einige Merkmale, an denen Eltern erkennen können, ob die Babykleidung Gift- und Schadstoffe enthält. Eltern sollten auf Folgendes achten:

Kleidung mit Gummisohlen oder gummierter Applikation

Kunststoffen werden sehr oft chemische Weichmacher, sogenannte Phthalate, zugesetzt, um diese geschmeidig zu machen. Sie können auch in gummierten Applikationen auf der Babykleidung sowie in Laufsohlen von Babysöckchen enthalten sein. Phtalate sind in der EU gesetzlich noch nicht verboten, deshalb bietet auch das CE-Zeichen nicht die Sicherheit, dass keine Weichmacher enthalten sind. Sicher kann man nur sein, wenn auf der Kleidung ein Hinweis steht, dass sie keine Weichmacher enthält.

Auffällig bunte Babykleidung

Schadstoffe gelangen vor allem beim Färben in die Textilien, weil viele Farben mit Schwermetallen belastet sind. Bedenklich sind dabei vor allem Dispersionsfarben und Azofarben, welche eine kostengünstige Herstellung ermöglichen und dennoch brillante Farben erzeugen. Auch wenn Herstellung und Import von Textilien, die mit diesen Farben gefärbt sind, in Deutschland verboten sind, findet man dennoch immer wieder belastete Babykleidung. Es gibt keine einfache Möglichkeit, diese Farbstoffe nachzuweisen. Je bunter die Babykleidung ist, desto wahrscheinlicher ist es jedoch, dass sie Schadstoffe enthält. Mit ungefärbter Kleidung sind Eltern auf der sicheren Seite.

Babykleidung, in deren Etikett „separat waschen“ steht

Bei derartiger Babykleidung können Eltern davon ausgehen, dass sie Farben und Chemikalien enthalten, die bei direktem und langem Hautkontakt bedenklich für die Gesundheit ihres Kindes sind.

Prüfsiegel

Es gibt zwei unabhängige Prüfsiegel, auf die sich Eltern mehr oder weniger verlassen können. Das Prüfsiegel Öko-Tex® Standard 100 gibt die Internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textilökologie heraus. Ein weiteres Prüfsiegel gibt es vom Internationalen Verband der Naturtextilhersteller (IVN), welcher für seine strengen Maßstäbe bekannt ist. Dieses Prüfsiegel gibt es in zwei Varianten, die sich in den Grenzwerten für die Schad- und Giftstoffe, die in den Textilien enthalten sein dürfen, unterscheiden. Das „better“ Siegel, ein nach oben geöffneter, orangener Kreis, ist weniger anspruchsvoll als das „best“ Siegel, ein ebenfalls nach oben offener Kreis in Blau.

Babykleidung aus Bio-Baumwolle

Inzwischen gibt es einige Hersteller, die für ihre Babymode Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau verwenden. Baumwolle, die kontrolliert angebaut wird, wird nicht mit Pestiziden, chemischen Düngemitteln und Insektenschutzmitteln behandelt.

Fazit
Eltern sollten beim Kauf von Babykleidung auf vertrauenswürdige Qualität achten. Es ist besser etwas mehr Geld auszugeben und in wenige, dafür schadstofffreie Kleidung zu investieren, bei der man weiß, wo und wie sie produziert wurde. Eltern, die auf Nummer sicher gehen möchten, sollten Babykleidung mit Prüfsiegel oder Babykleidung aus Bio-Baumwolle kaufen. Im Allgemeinen ist zu beachten: Je direkter und länger der Hautkontakt mit den Textilien ist, desto stärker können Schadstoffe die Haut reizen. Deshalb ist es gerade bei den Kleidungsstücken, die direkt auf der Haut auffliegen besonders wichtig, dass sie frei von Schadstoffen sind. Auch sollten Eltern unbedingt die Babykleidung waschen, bevor sie diese ihrem Kind zum ersten Mal anziehen. Viele Schadstoffe lassen sich durch das Waschen zumindest zum Großteil entfernen.

mzt

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2 Antworten

  1. Vielen Dank für den Artikel! Leider ist der Teil mit den Prüfsiegeln etwas „stiefmütterlich“ weggekommen. Das heutzutage wichtigste Prüfsiegel ist das GOTS (Global Organic Textile Standard), das sich mittlerweile weltweit durchgesetzt hat (das IVN Prüfsiegel ist leider nur in Deutschland bekannt und da die meisten Hersteller nun mal nicht deutsch sind, ist es leider nicht wirklich relevant). Hat eine Textilie allerdings das IVN Zertifikat, dann können Sie auf alle Fälle von einem hohen ökologischen Standard ausgehen, da die Prüf-Richtlinien sehr streng sind!

    Wichtig ist aber die komplette Wertschöpfung zu betrachten, daher reicht es nicht nur aus, den Rohstoff, z.B. Bio-Baumwolle zu betrachten, sondern es geht natürlich auch um die Farben und Garne!

    GOTS sind weltweit anerkannte Richtlinien, die eine nachhaltige Herstellung von Textilien gewährleisten, angefangen von der Gewinnung der biologisch erzeugten Rohstoffe über eine umwelt- und sozialverantwortliche Fertigung bis hin zur transparenten Kennzeichnung. Damit wird Verbrauchern eine glaubwürdige Qualitätssicherheit geboten.

  2. mausi75 sagt:

    Da stimme ich dem vorherigen Kommentar voll zu! GOTS ist mittlerweile ein sehr wichtiges Siegel – wenn nicht DAS wichtigste Siegel bei Babykleidung. Onlineshops für Babykleidung sollten deshalb sehr darauf achten, dass der Großteil (alles geht leider nicht immer) der Babyprodukte Fairtrade, GOTS und Bio sind. Wenn alle drei Prüf- bzw. Gütesiegel vorhanden sind, kann man auf jeden Fall davon ausgehen, dass die Produkte dem Baby / Kind nicht schaden! Leider ist die Welt Profit-orientiert, was die Suche nach diesen Produkten, die eigentlich alle Anforderungen erfüllen sollen recht schwierig gestaltet. Ein Beispiel ist Babylotta (http://www.babylotta-shop.de/). Bei diesem Shop sind fast alle Produkte Bio, Gots und Fairtrade!! Aber auch tausendkind oder baby-walz haben tolle Bio Produkte. Man sollte bloß immer darauf achten, wie viele Siegel denn letztendlich wirklich relevant sind und welche eher als Image-Pusher dienen. Welcher Shop jetzt persönlich gefällt ist natürlich jedem selbst überlassen – gute Shops haben auch die guten Produkte. Da entscheidet dann letztendlich der persönliche Eindruck. Mein Favorit ist jedenfalls babylota 🙂

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