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18.7.2013   |   Gesundheit

Hautmale bei Babys – wann harmlos, wann gefährlich?


Die Stiftung Kindergesundheit informiert über Storchenbisse, Blutschwämme und Co.

Es gibt wohl niemanden, der nicht irgendwo am Körper ein Muttermal oder einen Leberfleck hätte. Die meisten Hautmale bekommt man in der Kindheit, manche auch erst als Erwachsener. Es gibt flache und erhabene, behaarte und unbehaarte, kleine und große. Sie sind fast immer harmlos, man sollte sie jedoch im Auge behalten, empfehlen Experten der Stiftung Kindergesundheit.

Capillary_haemangioma

Den vermutlich ersten Hinweis auf angeborene Hautmale liefert die Bibel. Darin heißt es bei der Schilderung der Geburt der Zwillinge Jakob und Esau, der Söhne von Isaak und Rebekka: „Der erste, der kam, war rötlich, über und über mit Haaren bedeckt wie mit einem Fell. Man nannte ihn Esau“ (1. Buch Mose 25, 25; Einheitsübersetzung 1980).

Der offizielle Name der gutartigen Hautveränderungen lautet Nävus, Mehrzahl Nävi. Die volkstümlichen Bezeichnungen der Male sind irreführend, betont die Stiftung Kindergesundheit: Leberflecke haben nichts mit der Leber zu tun. An der Entstehung von Muttermalen ist die Mutter garantiert unschuldig und auch für einen Storchenbiss wird schon lange kein Storch mehr verantwortlich gemacht. Dieses Geburtsmal kommt praktisch bei jedem dritten Baby vor und findet sich am häufigsten an der Stirn oder an der unteren Haargrenze am Hinterkopf. Es sieht aus, als hätte der Storch, der angeblich die Kinder bringt, hier das Kind mit dem Schnabel gehalten. Eine Behandlung dieser Male ist nicht notwendig.

Feuermale (Fachbegriff „Naevus flammeus“) sind flache, rosafarbene, rote oder purpurne Flecken. Sie kommen manchmal mitten auf der Stirn, auf beiden Lidern oder über dem Steißbein vor. Auch unsymmetrische Feuermale an einer Körperseite, einem Arm oder Bein sind häufig. 

Die rote Farbe wird durch vermehrte und erweiterte Kapillargefäße hervorgerufen und wirkt besonders intensiv bei verstärkter Durchblutung, zum Beispiel durch Aufregung oder beim Schreien.

Bleibt es oder vergeht es wieder?
Ob diese Male später wieder verschwinden, hängt von ihrer Lage ab: Die meist V-förmigen Male in der Mitte des Nackens oder der Stirn bilden sich gewöhnlich bis zum Ende des zweiten Lebensjahres von selbst zurück. Halbseitige Feuermale dagegen, die im Gesicht, am Hals oder auf dem Rumpf liegen und die Mittellinie nicht überschreiten,  bleiben oft ein Leben lang bestehen.

Früher wurde empfohlen, ein Feuermal in Ruhe zu lassen. Heute bietet sich für die Behandlung von ausgeprägten und kosmetischen störenden Nävi die Lasertherapie an. Sie ist besonders geeignet für die Behandlung oberflächlicher, hellroter Feuermale. Die tiefer liegenden (und leider oft besonders auffälligen) Feuermale sprechen dagegen nur ungenügend darauf an. Die Therapie ist langwierig und benötigt mehrere Sitzungen. Eine völlige Beseitigung des Feuermales ist auch dadurch nicht möglich, aber die kosmetischen Ergebnisse sind recht gut.

Hautmale können mitunter abenteuerliche Formen annehmen:

  • Café-au-lait-Flecken sind kleine bis handtellergroße, milchkaffeefarbene, runde und meist scharf begrenzte, harmlose Male.
  • Mongolenflecken sind Male von bläulich-schwarzer Farbe, meist im Kreuzbeinbereich, manchmal auch an Schultern und Armen. Sie liegen unter der Haut und bilden sich normalerweise bis zur Pubertät zurück. Eine Behandlung ist nicht nötig.
  • Leberflecke sind harmlose, hellbraune Male, vor allem an Rücken, Bauch und Oberschenkeln. Der Name geht auf eine Übersetzung des medizinischen Ausdrucks „Macula hepatica“ zurück, der sich auf den bräunlichen, leberähnlichen Farbton bezieht.
  • Leberflecke und Muttermale sollten vom Hautarzt überwacht werden, weil bei bestimmten Arten durchaus das Risiko einer bösartigen Entwicklung besteht.
  • Tierfell-Male sind Anhäufungen von Pigmentzellen und Haaren. Da sie später ebenfalls entarten können (in 10 bis 20 Prozent der Fälle), raten Ärzte oft schon bei Kindern zu ihrer Entfernung.

Behandlung des Blutschwamms – eine Erfolgstory
Blutschwämmchen bestehen aus erweiterten Blutgefäßen. Hämangiome (so die Fachbezeichnung) finden sich bei 8 bis 12 Prozent aller Babys, besonders bei Mädchen und bei Frühchen. Sie sind oft schon bei der Geburt vorhanden, können sich aber auch in den ersten vier Lebenswochen entwickeln. Die hellroten bis dunkelblauen Male heben sich deutlich von der Haut ab. Blutschwämme neigen dazu, sich in den ersten Monaten nach der Geburt langsam zu vergrößern. Sie bilden sich aber normalerweise innerhalb von zwei bis sechs Jahren von selbst zurück. Nur gelegentlich bleiben dann noch bräunliche Flecken auf der Haut.

Bei einem unkomplizierten Hämangiom an unproblematischen Stellen des Körpers wurde früher von einer Behandlung meist abgeraten, denn 85 bis 90 Prozent der Blutschwämme bilden sich spontan zurück. Der Verlauf lässt sich allerdings  nicht vorhersagen. Manchmal wachsen sie nur langsam. Aber es gibt auch Blutschwämme, die sich explosionsartig vergrößern und binnen weniger Tage oder Wochen gigantische Ausmaße annehmen.

Deshalb raten Experten heute eher zu einer frühzeitigen Behandlung, zumal sie von den Babys meist gut vertragen wird. Wächst der Blutschwamm im Gesicht, am Auge oder am Mund, kann dadurch die Funktion wichtiger Organe beeinträchtigt werden. Eine Behandlung ist in solchen Fällen unumgänglich.

„Bis vor kurzem wurden wachsende Hämangiome entweder mit der Kontaktkryotherapie, einer oberflächlichen Vereisung, oder mit einer Lasertherapie behandelt“, berichtet Professor Dr. Rainer Grantzow, Kinderchirurg im Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München.

„Die Kryotherapie unter örtlicher Betäubung eignet sich nur bei Blutschwämmen unter zehn Millimeter Größe, beim Lasern ist eine Narkose nötig. Bei der manchmal notwendigen Behandlung mit hochdosiertem Kortison drohen Komplikationen für den Organismus. In Einzelfällen muss der Blutschwamm in Vollnarkose operativ entfernt werden. Alle Behandlungsformen sind also mehr oder weniger belastend und mit Nebenwirkungen verbunden“.

Eine geradezu revolutionäre Erweiterung der Therapiemöglichkeiten verdankt die Medizin einer Zufallsentdeckung französischer Ärzte. Bei der Behandlung von herzkranken Kindern mit dem so genannten Betablocker Propranolol stellten Dr. Christine Léauté-Labrèze und ihre Kollegen an der Kinderklinik Bordeaux überrascht fest, dass sich durch die Einnahme dieses Medikaments die Blutschwämme der Kinder zurückgebildet haben.

Medikament verdrängt Laser und Skalpell
„Die Entdeckung dieser bis dahin unbekannten Wirkung des Betablockers bewirkte inzwischen weltweit einen grundlegenden Wechsel in der Behandlung von Blutschwämmen“, sagt Professor Grantzow: „Die Propranololtherapie von Hämangiomen erwies sich als sehr effektiv und zeigt eine schnelle Wirkung. Mit ihr können zum Beispiel auch große Hämangiome der Augenlider behandelt werden, bei denen zur Vermeidung einer drohenden Sehschwäche ein schneller Wirkungseintritt notwendig ist. Bisher mussten wir in solchen Fällen immer operieren, da die Wirkung des Lasers als alternative Therapie zu viel Zeit beanspruchte“.

Seit ihrer Entdeckung im Jahr 2008 konnte die Wirksamkeit der medikamentösen Behandlung in über 230 Studien und Publikationen bestätigt werden. Allein auf dem diesjährigen Chirurgenkongress in München haben elf kinderchirurgische Teams über ihre Behandlungserfolge mit Propranolol bei insgesamt über 400 Kindern berichtet. Gleichzeitig ist die Zahl der Laserbehandlungen und Operationen rapide zurückgegangen. Mittlerweile wird das Herzmedikament nicht nur innerlich, sondern auch als Gel zur Blutschwamm-Behandlung eingesetzt – und auch dies erfreulicherweise ohne relevante Nebenwirkungen.

Allerdings gibt es da noch ein Problem: Der Betablocker Propranolol ist für diesen Anwendungsbereich gar nicht zugelassen. Professor Dr. Rainer Grantzow: „Eine Anwendung erfolgt also nach dem Arzneimittelgesetz ‚off label use’, das heißt, dass der behandelnde Arzt auch für eventuelle Nebenwirkungen verantwortlich ist und dass die Eltern nach entsprechender Aufklärung schriftlich einwilligen müssen. Eine offizielle Zulassung von Propranolol nach dem Arzneimittelgesetz wird voraussichtlich noch zwei bis drei Jahre dauern, so dass bis dahin weiterhin eine Anwendung nur als ‚off label use’ erfolgen kann“.

Gehänselt und gemobbt
Eine harmlose Abweichung in der äußerlichen Erscheinung kann die Lebensqualität eines heranwachsenden Kindes stark beeinflussen, stellt die Stiftung Kindergesundheit besorgt fest. Kinder mit auffälligen Hautmalen werden oft gehänselt und ausgelacht, verbal gemobbt oder von der Gruppe ausgegrenzt. Das kann die Freude an Sozialkontakten trüben und das Wohlbefinden des stigmatisierten Kindes nachhaltig beeinträchtigen, fanden Schweizer Wissenschaftler heraus.

Dr. Kathrin Neuhaus und ihre Arbeitsgruppe vom Zentrum für brandverletzte Kinder am Kinderspital der Universität Zürich legten 350 Schweizer Kindern Fotos von Kindern mit einer Narbe oder einem Geburtsmal vor und fragten sie, wie sie sich dem abgebildeten Kind gegenüber verhalten würden. Die Bilder wurden jedoch zuvor digital manipuliert: Mal war das gleiche Kind mit, mal ohne seine Auffälligkeit zu sehen.

Das Ergebnis macht nachdenklich: Kinder, die ohne Auffälligkeit im Gesicht als sympathisch, attraktiv, fröhlich, freundlich, beliebt oder erfolgreich eingeschätzt wurden, erfuhren mit ihrem Hautmal eine deutlich ungünstigere Bewertung. Die befragten Kinder wollten mit einem betroffenen Kind weniger Kontakt und seltener Freundschaft schließen. Über 46 Prozent gaben an, sie würden sich mit einem solchen Mädchen oder Jungen unwohl fühlen und mehr als 25 Prozent sagten, sie würden versuchen, dem Kind aus dem Weg zu gehen.

Eine frühzeitige Korrektur ihres veränderten Aussehens kann Kindern derartige Probleme ersparen. 
Professor Grantzow empfiehlt deshalb: „Bei ästhetisch auffälligen Hautmalen sollte bis zum Schulalter ein weitgehend normales Äußeres erreicht werden. Ab diesem Alter bemerken Kinder, dass sie anders aussehen – ein Umstand, der die Ausprägung des eigenen Körperbildes negativ beeinflussen kann“.

Quelle:
Stiftung Kindergesundheit
Internet: http://www.kindergesundheit.de

mzt




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