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04.4.2013   |   Gesundheit

Risiko von Zoonosen im Kinderhaushalt: Der richtige Umgang mit Haustieren


Die Stiftung Kindergesundheit informiert über das Risiko von Zoonosen im Kinderhaushalt

Haustiere sind uns lieb und teuer: In den deutschen Wohnungen leben 8,2 Millionen Katzen, 5,4 Millionen Hunde, 5,1 Millionen Kleinsäuger (Hamster, Meerschweinchen, Kaninchen und mehr), eine Million Reptilien (z. B. Schildkröten), 3,3 Millionen Vögel und 40 Millionen Zierfische. Nahrung und Pflege ihrer Lieblinge lassen sich die Tierbesitzer jährlich 2,866 Milliarden Euro kosten. Das Geld ist eigentlich gut angelegt, sagt die Stiftung Kindergesundheit:

Risiko von Zoonosen im Kinderhaushalt: Der richtige Umgang mit Haustieren

Zahlreiche Untersuchungen bestätigen die positiven Auswirkungen von Haustieren auf Gesundheit und Wohlbefinden ihrer Besitzer, insbesondere auf deren Kinder. Haustiere machen aber nicht nur gesund, sondern manchmal auch krank: Es gibt viele Erreger, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. 

„Kinder, die gemeinsam mit Tieren aufwachsen, können in ihrer ganzen Persönlichkeitsentwicklung profitieren“, sagt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Wenn sie das Tier beobachten und betreuen, entwickeln sie mehr soziale Kompetenzen als sie beim Spielen mit leblosen Dingen erlangen können. Der Kontakt zum Tier steigert die Lebensfreude und fördert das Verantwortungsgefühl. Und ganz nebenbei verschafft sich das Kind auf natürliche Weise gute Kenntnisse über wichtige Lebensvorgänge wie Sexualität, Geburt oder Tod. Gerade für Stadtkinder sind Tiere oft der wichtigste Bezug zur lebendigen Natur“. 

Die Natur hat allerdings nicht nur positive Seiten, betont die Stiftung Kindergesundheit in ihrer aktuellen Stellungnahme: Haustiere bergen auch potentielle Gefahren, die tierliebende Familien kennen sollten. Haustiere können beißen, bringen Keime in die Wohnung, können durch Anspringen, Stolpern oder Umreißen zu Unfällen führen. Es gibt außerdem eine Vielzahl von Infektionen mit Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten, die von einem Tier auf den Menschen übertragen werden können. Sie werden als Zoonosen bezeichnet. Mittlerweile sind rund 200 Zoonosen bekannt, die bei einem Tier wie auch beim Menschen vorkommen und gegenseitig übertragen werden können. 

Da Katzen und Hunde die beliebtesten Haustiere sind, geht von ihnen auch am häufigsten die Gefahr einer Zoonose aus. Besonders häufig werden Durchfallerkrankungen vom Tier auf den Menschen übertragen. Die ansteckenden Keime sind in erster Linie Salmonellen. Die Tiere schnappen diese Erreger meist durch Schlachtabfälle und ungekochte Innereien auf. 

Nummer zwei der Durchfallerreger ist der so genannte Campylobacter. Vor allem junge Hundewelpen scheiden solche Keime bis zu einem halben Jahr aus, ohne selbst krank zu sein.

Krank durch Kätzchens Krallen

Krank durch Kätzchens KrallenJunge Katzen dagegen sind an einer weiteren Zoonose schuld, an der so genannten Katzenkratzkrankheit. Die verspielten und verschmusten Tiere übertragen die stäbchenförmigen Bakterien der Gattung Bartonellen durch Kratzen oder Beißen. Auch die auf Katzen lebenden Flöhe können die Bakterien weitertragen. In Deutschland sind bis zu 70 Prozent der Hauskatzen mit Bartonellen infiziert.

Die Symptome der Katzenkratzkrankheit: Drei bis zehn Tage nach der Verletzung entsteht an der Kratz- oder Bissstelle ein kleines rotes Hautknötchen von zwei bis sechs Millimeter Durchmesser, das manchmal – ähnlich wie der Ausschlag bei Windpocken – in ein Bläschenstadium übergeht, um anschließend zu verkrusten. Ein bis zwei Wochen später schwellen die benachbarten Lymphknoten an und schmerzen bei Berührung. Manchmal eitern sie auch und entleeren ihren Inhalt durch die Haut. Die Heilung erfolgt nur langsam: Ohne Behandlung bilden sich die Lymphknotenschwellungen erst nach zwei bis vier Monaten zurück.

Piepmatz lieber nicht küssen

Die Erreger der Papageienkrankheit Psittakose können nicht nur von Papageien, sondern auch von Wellen- und Nymphensittichen übertragen werden. Besonders riskant ist das „Küsschengeben“, weil dabei die Keime direkt auf die Schleimhäute gelangen. Die Bakterien finden sich auch im Kot und Federstaub von Tauben, Enten und Hühnern.

Gefürchtet sind auch Pilzinfektionen, die oft ganze Kindergärten oder Schulklassen heimsuchen. Die so genannten Mikrosporen können von einem Hund oder von einer Katze stammen und befallen vor allem den behaarten Kopf, manchmal auch Hände, Unterarme, Hals und Gesicht.

Reptilien – das neue Risiko

Reptilien - das neue RisikoViele Salmonelleninfektionen gehen mittlerweile auf den direkten oder indirekten Kontakt mit Reptilien zurück, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. Die Liste der als Ansteckungsursache ermittelten Reptilien liest sich wie ein Katalog des Zoohandels und reicht von Bartagamen und Chamäleons über Leguane und Schildkröten bis zu Waranen und Würgeschlangen.

Der Vormarsch der schuppigen Exoten scheint unaufhaltsam: Jedes Jahr werden bis zu 840.000 Reptilien nach Deutschland eingeführt. Über 90 Prozent aller im Zoohandel angebotenen Echsen, Schlangen und Kröten sind jedoch Salmonellenträger, schätzen Experten.

Das Tier selbst ist gar nicht krank

Die Übertragung der Salmonellen erfolgt meistens über die Haut der Tiere. Die Exoten selbst werden durch die gefährlichen Darmbakterien nicht krank, weil die Salmonellen Bestandteil ihrer natürlichen Keimflora sind. Eine Ansteckung mit den von den Tieren ausgeschiedenen Keimen ist nicht nur durch Streicheln, Berühren und Füttern, sondern auch durch indirekten Kontakt möglich. So ist der Fall eines Babys mit Salmonelleninfektion bekannt geworden, dessen Vater in einer Zoohandlung arbeitete.

Reptilien und Echsen sind keine „Spieltiere“ sondern permanente Infektionsquellen. Sie sind zwar pflegeleicht und erscheinen deshalb als für Kinder besonders geeignet – sie sind es jedoch keineswegs und haben in einem Haushalt mit Kindern nicht zu suchen, betont die Stiftung Kindergesundheit. Sie gehören auch nicht in Kindergärten, auf Geburtstagspartys und schon gar nicht auf Kinderstationen von Kliniken, was durchaus schon mal vorgekommen ist.

Wie man die Ansteckung verhindert

Zur Vermeidung von Salmonelleninfektionen durch exotische Kriechtiere hat das Robert-Koch-Institut Berlin eine Reihe von Empfehlungen zusammengestellt. Sie lauten:

  • Betreiber von Zoohandlungen, medizinisches Personal und Tierärzte sollten Besitzer und Käufer von Reptilien und Amphibien über das Risiko einer Salmonellenübertragung durch diese Tiere informieren.
  • Nach dem Umgang mit Reptilien oder Amphibien sollten die Hände immer gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden.
  • Personen, die ein hohes Risiko für eine komplizierte Salmonelleninfektion aufweisen, wie Kinder unter fünf Jahren sowie Menschen, die mit immunitätsunterdrückenden Medikamenten behandelt werden, sollten den Kontakt zu Reptilien und Amphibien vermeiden.
  • Reptilien und Amphibien sollten im Haushalt mit Kindern unter fünf Jahren und Immunsupprimierten sowie in Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder nicht gehalten werden.
  • Reptilien und Amphibien sollten sich nicht frei in der Wohnung bewegen und sind von Küche oder anderen Bereichen, in denen Lebensmittel zubereitet werden, fernzuhalten.
  • Terrarien und Aquarien bzw. Gegenstände daraus sollten nicht im Küchenwaschbecken gereinigt werden. Falls die Badewanne zu diesem Zweck verwendet wird, sollte diese anschließend gründlich gereinigt und desinfiziert werden.

Wichtigstes Gebot: Hände waschen!

Für eine übertriebene Angst vor einer Krankheitsübertragung durch Hunde, Katzen und andere landesübliche Haustiere gibt es jedoch keinen Grund, betont die Stiftung Kindergesundheit. Am häufigsten werden Kinder und Erwachsene nämlich nach wie vor nicht durch Tiere, sondern durch andere Menschen angesteckt: von Spielkameraden und Mitschülern, von Kollegen und Nachbarn oder von den Mitgliedern der eigenen Familie.

Ein bisschen Vorsicht sollte es aber schon sein: Kinder und Erwachsene sollten sich nach jedem Kontakt mit dem Tier – vor allem vor dem Essen – die Hände waschen und allzu inniges Schmusen mit dem Tier vermeiden. Käfige, Lagerplätze, Körbe oder Decken des Lieblingstiers sollten stets sauber sein. Mit der regelmäßigen Reinigung der Unterkunft bzw. des Schlafplatzes und der täglichen Reinigung von Futter- und Wasserschüssel sorgt man auch für das Wohlbefinden des Tieres. Die beste Vorbeugung vor Infektionen ist, mit dem Tier regelmäßig zum Tierarzt zu gehen und es entwurmen, entlausen und auch impfen lassen.

Ebenfalls wichtig: Das Tier sollte dem Kind nicht das Gesicht abschlecken und auch nicht mit ihm in einem Bett schlafen.

Und wie groß ist die Gefahr von Allergien?

Bis vor kurzem hieß die Empfehlung der Experten: Bei Allergierisiko muss man auf Haustiere verzichten, am besten schon während der Schwangerschaft. Mittlerweile hat man herausgefunden, dass gerade Kinder, die schon am Anfang ihres Lebens mit Heimtieren und ihren Allergenen in Kontakt kommen, später seltener eine allergische Sensibilisierung dagegen entwickeln. In Familien ohne Vorbelastung (die besteht, wenn mindestens ein Elternteil oder ein Geschwister Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis hat), gibt es gegen die Haltung eines Hundes wohl keinen triftigen Grund mehr. Risikofamilien sollten allerdings auf Felltiere besser verzichten, rät die Stiftung Kindergesundheit. Als besonders riskant gelten Katzen.

Quelle: Stiftung Kindergesundheit – http://www.kindergesundheit.de

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