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13.11.2012   |   Gesundheit - TV-Tipps

TV-TIPP: Kinderkliniken unterfinanziert – Personalnot und Geldmangel auf Kosten der Kinder


Verbände sehen Patientensicherheit in Gefahr

Mainz. Die deutschen Kinderkliniken beklagen eine gefährliche personelle Unterbesetzung aufgrund struktureller Unterfinanzierung. Das berichtet das ARD Politikmagazin REPORT MAINZ (heute um 21:45 Uhr im ERSTEN).

Andreas Wachtel, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland erklärt: „Die Fallpauschalen bilden nicht annähernd ausreichend ab, was an Besonderheiten der Kinder- und Jugendmedizin erforderlich ist, vor allem nicht den höheren Personalaufwand.“ Für die Behandlung kranker Kinder werde 30 Prozent mehr Zeit und Personal benötigt als für erwachsene Kranke. Dieser Mehraufwand für Beratung, Trost und Betreuung kleiner Patienten werde oft nicht vergütet.

Nach Recherchen von REPORT MAINZ lehnen Kinderkliniken zeitweise die stationäre Aufnahme von Patienten ab, weil deren sichere Versorgung mangels Personal nicht mehr gewährleistet wäre. So beklagen die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte in Mannheim, dass die Kinderklinik Mannheim im vergangenen Winter 150 kranken Kindern die Aufnahme verweigert habe. Auf eine ambulante Behandlung warteten Kinder oft monatelang.

Die Universitätsmedizin Mannheim bestreitet, dass es zu besonderen Engpässen komme und erklärt in einer Stellungnahme, dass „Kinder mit kritisch erscheinendem Gesundheitszustand in der Klinikambulanz rund um die Uhr versorgt werden können.“

Ein Arzt der Kinderklinik Mannheim sagt in REPORT MAINZ dagegen: „Wir müssen jeden Tag aufs Neue schauen, ob wir noch Patienten aufnehmen können und es passiert durchaus, dass wir an die Grenzen kommen: die Grenzen der Verantwortbarkeit. Dann können auch mal fünf Betten leer stehen, weil einfach das Personal dazu fehlt.“

Hildegard Wewers vom Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland warnt in REPORT MAINZ: „Es ist eine sehr große Gefahr, dass die Kinder wirklich nicht vernünftig versorgt werden können, dass man sie abarbeitet, dass die fachliche Kompetenz nicht mehr da ist, dass man Diagnosen oder Symptome übersieht und die Kinder sind letztendlich in Gefahr.“ Hildegard Wewers kritisiert: „dass es unmenschlich wird und vor allem nicht kindgerecht und nicht familiengerecht.“

Das Bundesgesundheitsministerium teilte REPORT MAINZ dagegen auf Anfrage mit, im Abrechnungs-System habe sich „die sachgerechte Vergütung der Versorgung von Kindern kontinuierlich verbessert.“ Dem widerspricht Andreas Wachtel: „Das klingt für mich wie blanker Hohn, allen Beteiligten ist ja wohl klar, dass die Besonderheiten der Kinder und Jugendmedizin in keinster Weise sinnvoll und ausreichend abgebildet ist. Es wird billigend vom Ministerium in Kauf genommen, dass die Existenz großer Teile der Kinder und Jugendmedizin gefährdet ist.“




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