NDR Untersuchung: Viele Lebensmittel enthalten gefährliche Weichmacher

Eingeschweißter Käse, abgepackte Butter und Schlagsahne könnten gesundheitsschädlich sein. Das hat eine Stichprobe für die NDR Sendung „Der große Küchen-Check“ ergeben. Von 19 untersuchten Lebensmitteln enthielten sieben den Weichmacher DEHP. Das entspricht rund 40 Prozent.

Weichmacher stehen im Verdacht, Diabetes, Asthma und Atemwegserkrankungen zu fördern. Die problematischste Folge ist für Experten allerdings eine mögliche Unfruchtbarkeit bei Männern. Eine neuere Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes kommt zu der Erkenntnis: Die Hälfte aller jungen Männer zwischen 18 und 23 Jahren in Deutschland ist nur noch eingeschränkt fruchtbar. Ein wichtiger Faktor dabei ist die verbreitete Aufnahme von Weichmachern insgesamt. 

„Der große Küchen-Check“

Montag, 24. September, 21.00 Uhr

NDR Fernsehen

Lebensmittelverpackungen können Weichmacher wie Diethylhexyl-Phthalat, kurz DEHP, enthalten. Die Gifte können aus der Verpackung in die Lebensmittel und später beim Essen in unsere Körper gelangen. Deshalb ist DEHP in Kunststoffen, die in Kontakt mit Lebensmittel kommen, seit 2006 weitgehend verboten. Trotzdem gibt es immer wieder Funde. Die Stichprobe des NDR bestätigt das: Belastet sind unter anderem Géramont Weichkäse mit 80 Mikrogramm pro Kilogramm, Bertolli Pesto mit 240 µg pro kg und Kerrygold Butter mit 520 µg pro kg. Am meisten DEHP enthält Saint Albray Käse mit 910 µg pro kg. 

Jedes der Ergebnisse liegt zwar unter den vorgeschriebenen Grenzwerten. Für Dr. Marike Kolossa vom Umweltbundesamt ist das trotzdem kein Grund zur Beruhigung, denn Grenzwerte gingen immer davon aus, dass man nur eine bestimmte Menge von diesen Lebensmitteln isst. In der Praxis könne dies ganz anders aussehen. Außerdem warnt die Toxikologin: „Wir finden diese Stoffe in allen Menschen in Deutschland, und einige sind so hoch belastet, dass wir Entwicklungsschäden und gesundheitliche Schäden befürchten müssen.“

Die betroffenen Unternehmen reagieren abwiegelnd bis besorgt. Beispielsweise will der Hersteller von Bertolli Pesto alle Optionen prüfen, um die Ursache auszumachen. Der Produzent von Kerrygold Butter schreibt, er werde die NDR Untersuchungen zum Anlass nehmen, um seinen kompletten Prozess noch einmal zu durchleuchten. Der Hersteller von Géramont und Saint Albray teilt mit, er erfülle die Normen des Lebensmittelrechts.

Quelle: NDR

Weichmacher – Für Kinder nicht geeignet

Gemäß der REACH-Verordnung sind Phthalate DEHP, DBP und BBP in allen Spielzeugen und Babyartikeln verboten, während Phthalate DINP, DIDP und DNOP verboten sind, wenn das Produkt von Kindern in den Mund genommen werden kann.

Bestimmte Weichmacher auf Basis von Phthalaten können Unfruchtbarkeit bei Männern verursachen, da sie in ihrer Wirkung bestimmten Hormonen ähnlich sind. Sie beeinflussen die Testosteron-gesteuerten Entwicklungsstufen. 

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1 Antwort

  1. Bauchredner sagt:

    Wie so oft stellt sich die Frage, welche Werte denn eigentlich schädlich sind. Gesetzliche Grenzwerte sollten toxikologisch und allergologisch abgeleitet sein, deren Ursprung nachvollziehbar ist. Dass ausgerechnet eine Vertreterin des UBAs eine Relativierung dieser Grenzwerte in der Form vornimmt, dass sie diese auf die verzehrte Menge bezieht, und von „ganz anderen Messwerten“ spricht, ist bedenklich, insbesondere wenn sie andeutet, dass manche Menschen bedenkliche Belastungen aufweisen. Wenn die Herkunft bei den betroffenen Personen auf Lebensmittel verweist, dann wird es Zeit die Grenzwerte zu überprüfen und nicht Hersteller an den Pranger zu stellen, die sich an die gesetzlichen Grenzwerte halten.

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