Hintergrund: Der Global Organic Textile Standard (GOTS)

Reutlingen, Deutschland (17. April 2012) – Der Global Organic Textile Standard (GOTS) setzt auch im fünften Jahr seines Bestehens seine Erfolgsgeschichte fort. Insgesamt konnten weltweit 80 Betriebsstätten ihre erstmalige Zertifizierung verzeichnen, Kirgistan ist mit dem ersten zertifzierten Unternehmen in die Länderliste aufgenommen, die 14. Zertifizierungsorganisation hat sich für den GOTS akkreditiert und das amerikanische Landwirtschaftsministerium hat den GOTS offiziell als Warenauszeichnung für Naturtextilien anerkannt. Zum Jahresende 2011 waren 2.714 Betriebsstätten und 57 Ländern weltweit nach dem führenden Standard für Biotextilien zertifiziert, darunter 450 Färbereien, mehr als 220 Spinnereien, Strickereien und Webereien und rund 160 Druckereien und Nähereien.

Unter den Top 20 Ländern nach Anzahl GOTS zertifizierter Betriebsstätten sind Indien, Türkei, China, Pakistan, Deutschland, Italien, Japan, Südkorea, Bangladesh, Großbrittanien, Frankreich, USA, Hong Kong, Griechenland , Peru, Schweiz, Österreich, Niederlande, Belgien und Portugal. Während die Top vier unverändert blieben sind Österreich und die Schweiz erstmals in diesem Kreise. Beim größten Zuwachs von Zertifizierungen in 2011 führt Deutschland vor Indien, USA, Österreich, Bangladesh, Schweiz, Griechenland Frankreich Belgien und Dänemark. „Das stetig steigende Interesse am GOTS wird hierzulande durch stark wachsende Medienpäsenz, eine Flut von Verbraucheranfragen und zunehmenden direkten Anfragen von Handelsunternehmen deutlich“ so Claudia Kersten, GOTS Repräsentantin für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Der GOTS definiert auf hohem Niveau umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette und fordert gleichzeitig die Einhaltung von Sozialkriterien. Die Kernbestimmungen enthalten generelle Verbote für den Einsatz von GVO (Gentechnisch veränderte Organismen) und weiterer gefährlicher Substanzen wie Azofarbstoffe oder Formaldehyd. Die Sozialkriterien orientieren sich an den Kernnormen der ILO (International Labour Organization) die u.a. Kinderarbeit verbieten und fordert darüber hinaus u.a. die Einführung eines Social Compliance Management Systems. In der Nassveredlung, als Produktionsschritt mit hohem Umwelt‐Verschmutzungspotzenzial, ist ein striktes Abwassermanagement obligatorisch. Für die Labelstufe “organic” müssen mindestens 95%, für die Labelstufe „made with organic“ mindestens 70% der Fasern aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft stammen.

GOTS Zertifizierung bedeutet für die Konsumenten Produktsicherheit bei Biotextilien von Anbau bis zum fertigen Kleidungsstück

Ein Meilenstein wurde am 20. Mai 2011 durch das Memorandum des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (U.S. Department of Agriculture, USDA) durch die offizielle Anerkennung des GOTS als Warenauszeichnung für Naturtextilien wie Biobaumwolle, Biowolle oder Bioleinen gelegt.

Textilien, die das GOTS Label tragen, können damit in den USA als „organic“ ausgezeichnet werden. Und das, obwohl diese Textilien nicht nach dem nationalen Öko‐Standard der USA (National Organic Programm, NOP) zertifiziert sind. Das USDA Memorandum wird weitere Kreise ziehen: „Die offizielle Anerkennung des GOTS und damit auch seines Zertifizierungssystems durch akkretitierte Zertifizierer und seines strengen Kennzeichnungssystems ist die beste Art und Weise, wie Regierungen den Biotextilsektor regeln könnnen“ sagt Herbert Ladwig, Koordinator der GOTS International Working Group (IWG). „Das US Modell ist unsere Empfehlung und Zielvorgabe für Verhandlungen mit der Legislative in diesem Sektor“, so Ladwig weiter.

Die GOTS IWG setzt sich aus international führenden Standardorganisationen zusammen: OTA (Organic Trade Association ), USA, IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft ), Deutschland), Soil Association, Großbritannien und JOCA (Japan Organic Cotton Association), Japan.

Ende 2010 ernannte die IWG die ersten Regionalen Repräsentanten, die in ihrem jeweiligen nationalen Umfeld, jedoch in weltweiter Abstimmung, die Präsenz des GOTS bei Unternehmen und Verbrauchern ausbauen. Yoshiko Ikoma für Japan, Claudia Kersten für den deutschsprachigen Raum, Sandra Marquardt für Nordamerika, Christopher Stopes für Großbritannien und Elisabeth Tosti für Skandinavien. 2011 wurde Stuart McDiarmid für Australien und Neuseeland und im März 2012 Sumit Gupta für Indien ernannt.

Weitere Informationen zum GOTS finden Sie unter www.global‐standard.org, u.a. einen Trailer des GOTS Informationsfilms http://global‐standard.org/information‐centre/gotsfilm.html.
Unternehmen, Bildungseinrichtungen und sonstigen Institutionen aus dem Textilsektor können einzelne Exemplare unter http://www.global‐standard.org kostenlos bestellen.

 

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2 Antworten

  1. Christoph sagt:

    Eine eventuell interessante Ergänzung:

    Die Ansprüche des GOTS liegen etwas unter denen des NATURTEXTIL IVN zertifiziert BEST und ist somit ein Mindeststandard für Produkte, die der IVN als echte und konsequente Naturtextilien bewertet.

    Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Richtlinien liegt in der Mindestmenge an zertifizierten Naturfasern. Aus mindestens 90% Naturfasern muss ein Produkt bestehen, wenn es das GOTS-Label tragen soll, höchstens 10% dürfen synthetische Fasern oder Viskose sein. Lediglich für Socken, Leggins und Sportbekleidung dürfen bis zu 25% synthetische Fasern eingesetzt werden. Unabhängig davon müssen insgesamt mindesten 70% der Fasern von Pflanzen oder Tieren aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft (kbA oder kbT) stammen.

    Die Liste zugelassener Farben und Hilfsmittel länger als die für BEST, beispielsweise darf als Ausnahme bei den schwermetallhaltigen Farben Kupfer eingesetzt werden.

    Das Mercerisieren, also die Veredelung von Baumwollgarnen mit Natronlauge zur Erhöhung des Glanzes ist bei GOTS erlaubt. Auch optische Aufheller sind zugelassen.

    Bei Zutaten und Accessoires sind Einlagen, Stickgarne oder Bänder aus Viskose erlaubt, müssen nicht unbedingt aus Naturfasern bestehen. Auch Knöpfe aus Kunststoff dürfen beispielsweise eingesetzt werden.

    Quelle: http://www.naturtextil.de/verbraucher/qualitaetszeichen/gots.html

  2. Stefan sagt:

    Ich würde mich freuen, hier ein Update lesen zu können. Wie ist die Entwicklung im Jahr 2013? Immerhin ist ihr Beitrag mehr als ein Jahr alt.
    Ich halte das GOTS mehr denn je für ein vorbildliches Siegel und für marktverändernd im Textiliensegment. Bleibt zu hoffen, dass es nicht weitere Katastrophen wie jüngst in Bangladesch bedarf, bis auch der letzte Mensch begriffen hat, dass wir im Westen unsere Kleidung so günstig bekommen, da wir auf Arbeiter in ärmeren Ländern keine Rücksicht nehmen. Umdenken ist angesagt.

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