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15.2.2012   |   Allgemein

Antibiotika-Verordnungen: Kinder- und Jugendärzte verordnen sparsamer als andere Fachgruppen


Leitliniengerechte Behandlung und pädiatrische Kompetenz sind der Schlüssel zu weniger Antibiotika

(Köln) Die heute vorgestellten Ergebnisse der Bertelsmann-Studie zur Antibiotika-Verordnung für Kinder bestätigen: Kinder müssen weniger Antibiotika schlucken, wenn sie von Kinder- und Jugendärzten behandelt werden. Diese verschreiben ihren Patienten deutlich seltener Antibiotika als andere Facharztgruppen.

„Die Ergebnisse der Bertelsmann-Stiftung belegen die hohe Fachkompetenz der Kinder- und Jugendärzte,“ so Dr. med Wolfram Hartmann heute in Köln. „Kinder- und Jugendärzte sind die Fachärzte für junge Menschen, sie behandeln ihre Patienten leitliniengerecht. Sie wissen z. B. dass bei einer nicht eitrigen Mittelohrentzündung Antibiotika nur in Ausnahmefällen angezeigt sind. Zudem kennen sie ihre jungen Patienten oft von Geburt an und können Beschwerden besser einschätzen als andere Fachgruppen, zu denen die Kinder und Jugendlichen nur in Ausnahmefällen gehen, und die sie dann aufgrund des hohen Drucks, viele Patienten in kurzer Zeit zu behandeln, schnell mit einem Antibiotikum versorgen. Kinder- und Jugendärzte raten den Eltern, die sie für verantwortungsbewusst halten, bei einer Mittelohrentzündung ihres Kindes zuzuwarten und die Schmerzen vorzugsweise mit Ibuprofen zu lindern und bewährte Hausmittel anzuwenden.“

Auch dass die Verordnungen von Antibiotika in der ambulanten Versorgung generell zurückgehen, ist dem Einsatz der Kinder- und Jugendärzte zu verdanken.

Dr. Wolfram Hartmann: „Kinder- und Jugendärzte betreiben eine sehr sorgfältige Impfberatung. Durch die Pneumokokkenimpfung, die Kinder- und Jugendärzte ihren Patienten empfehlen, geht insgesamt die Notwendigkeit für Antibiotika insbesondere im Rahmen von Mittelohrentzündungen und Lungenentzündungen zurück.“

Im Vergleich mit vielen anderen europäischen Ländern werden in Deutschland relativ wenig Antibiotika verordnet –allerdings immer noch zu viel. Damit steigt auch die Gefahr , dass sie keine Wirkung mehr zeigen, wenn sie wirklich notwendig sind.

Dr. med. Hartmann: „Bisher gibt es noch keine Schnelltests, um bakterielle und virale Infektionen sicher zu unterscheiden. Ängstliche Eltern bestehen daher oft „vorsichtshalber“ auf einem Antibiotikum für ihr Kind. Auch Eltern aus bildungsfernen Milieus und Eltern mit Migrationshintergrund verlangen häufig nach Antibiotika. Hier müssen alle Ärzte noch sorgfältiger als bisher beraten und aufklären.“

BERUFSVERBAND DER KINDER- UND JUGENDÄRZTE e. V. 
www.kinderaerzte-im-netz.de

 


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