CleanKids-Magazin
Echtkind - Ausgesucht schönes Spielzeug ohne Schadstoffe

12.8.2011   |   Allgemein - Schule & Kindergarten

Unsere schöne Plastikwelt


Stiftung Naturschutz Berlin – Kolumne im August 2011 –

Die Räume der Kita machen einen freundlichen und sauberen Eindruck. Der Fußboden ist frisch gewischt, auf den Tischen liegen Plastikdecken. Man sieht: Hier wird auf Hygiene geachtet. Was man nicht sieht: dass überall in der Einrichtung eine Menge an Giftstoffen steckt, die gerade für kleine Kinder schädlich sind. Außer den pflegeleichten Fußböden und Einrichtungsgegenständen aus PVC finden sich dort Hüpfbälle, Spielzeug aus Weichplastik. Turnmatten, Regenjacken und Gummistiefel, und all diese Dinge enthalten sogenannte Weichmacher, vor allem aus der Stoffgruppe der Phthalate.

Sie werden spröden und harten Materialien zugesetzt, um sie weich und biegsam zu machen. Wir wissen schon lange, dass diese Stoffe gesundheitsschädlich sind, und doch sind sie aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie stecken in jedem Elektrokabel, in Lacken, Fensterdichtungen und Klebstoffen. Auch wenn wir auf PVC-Fußböden, Plastik-Duschvorhänge und Vinyltapeten verzichten, dürfte es kaum eine Küche geben ohne all die praktischen und unzerbrechlichen Dinge, an die wir uns längst gewöhnt haben. Und kaum ein Kind geht ohne Brotdosen und Trinkflaschen aus Plastik zur Schule. In großen Anzeigen werben die Hersteller gerade jetzt  mit dem Spruch: „Wie hart wäre die Welt ohne weiches PVC?“
 

Aktion „Zukunft ohne Gift“
 
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat nun Kitas im ganzen Land aufgefordert, volle Staubsaugerbeutel einzuschicken, um sie auf Weichmacher untersuchen zu lassen. 60 Kitas haben reagiert, und das Ergebnis war erschreckend. Im Durchschnitt wurden in den Proben Phthalat-Konzentrationen festgestellt, die dreimal so hoch sind wie der Mittelwert, den das Umweltbundesamt für normale Haushalte ermittelt hat. Einige Kitas sind gering, andere  dafür noch stärker belastet. Das ist umso bedenklicher, als gerade Kinder durch die hormonartig wirkenden Stoffe gefährdet sind. Sie nehmen sie mit der Atmung, über das Essen und durch die Haut auf. Weichmacher können verschiedene Krankheiten verursachen, die Fortpflanzungsorgane schädigen, bei Jungen zu Unfruchtbarkeit und bei Mädchen zu verfrühter Pubertät führen. Professor Ibrahim Chahoud, Toxikologe an der Charité, hält die hohe Belastung der Kitas für inakzeptabel: „Kleinkinder befinden sich noch in der Entwicklung und reagieren deshalb besonders empfindlich auf hormonelle Schadstoffe.“

 

Der Schlaf der Politik
 
Der BUND hat das Verbraucherschutzministerium aufgefordert, diese Stoffe in allen Produkten zu verbieten, die im Umfeld von Kindern genutzt werden. Zum Weltkindertag fand in Berlin eine Demonstration statt unter dem Motto: „Kitas giftfrei machen, Frau Aigner“
Ergebnis: ein vager Hinweis auf die EU-Gesetzgebung. Auf die Anfrage einer SPD-Abgeordneten im Bundestag antwortet nicht das Verbraucherschutz-, sondern das Umweltministerium, bezweifelt die Aussagekraft der Untersuchungen und verweist auf „erhöhten Forschungsbedarf“. Die Forschungsergebnisse könnten dann vorliegen, wenn die Kita-Kinder von heute erwachsen sind.

Anders einige Kommunen, die sich zum Teil schon länger mit dem Problem befassen.
So werden in Hannover, Köln und Wuppertal seit vielen Jahren keine PVC-Fußböden und Einrichtungsgegenstände aus Weichplastik  mehr verwendet. In anderen Städten werden seit der Aktion des BUND die Kitas auf Schadstoffe getestet, Positivlisten über unschädliche Produkte entwickelt und die Aufklärung verstärkt.
 

Und Berlin?
 
Die zuständige Senatorin Katrin Lompscher hat in einem offenen Brief an Ministerin Aigner die Forderung des BUND nach einem Verbot der Weichmacher in Produkten für Kinder unterstützt. Dass ein solches Verbot, sollte es tatsächlich kommen, den Kindern von heute nicht helfen würde, muss auch der Senatorin klar sein. Nötig wären zunächst eine Bestandsaufnahme in allen Berliner Kitas, Informationen für Personal und Eltern, Vorschriften und Positivlisten für neue Anschaffungen. Aber die schwierigste Frage bleibt: Was geschieht mit den stark belasteten Einrichtungen? Kann man die Kinder dort weiter den Schadstoffen aussetzen und vielleicht ein paar Gegenstände austauschen, für die Ersatz billig zu haben ist? Gründliche Sanierungen könnten teuer werden. So dürfen PVC-Böden nur unter großem Sicherheitsaufwand entfernt werden, damit sich die schädlichen Stoffe nicht in den Räumen verteilen. Für Möbel, Polster und Matten müsste Ersatz beschafft werden. Hohe Kosten für ein armes Land, aber für die Gesundheit der Kinder ist  uns doch nichts zu teuer, oder…?

Autorin: Marianne Weno

 

Quelle:
Stiftung Naturschutz Berlin
http://www.stiftung-naturschutz.de/

 

Wir bedanken uns bei der Autorin sowie der Stiftung Naturschutz Berlin für die Veröffentlichungserlaubnis

 




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