CleanKids-Magazin
Echtkind - Ausgesucht schönes Spielzeug ohne Schadstoffe

07.4.2011   |   Produkttests

Die Zeit scheint still zu stehen: Noch immer bedenkliche Phthalate in Armbanduhren für Kinder enthalten


Untersuchungen am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart zeigen: Kunststoffarmbänder von Kinderuhren enthalten weiterhin gesundheitlich bedenkliche Weichmacher

Seit 2007 sind drei Vertreter aus der Substanzgruppe der Phthalsäureester, nämlich DEHP, DBP und BBP, für die Herstellung von Spielzeug und Babyartikeln gesetzlich generell verboten. Unsere Untersuchungen zeigen, dass dieses Verbot zumeist eingehalten wird. Bei anderen verbrauchernahen Produkten mit Körperkontakt – auch bei solchen für Kinder – sieht die Lage deutlich schlechter aus. Dieses zeigen unsere Untersuchungen von 44 Proben Kinderuhren aus dem Jahre 2008. (In Spielzeug verboten, in Kinderuhren enthalten: Phthalat-Weichmacher) In 77 % der Kinderuhren aus PVC fanden sich gesundheitlich bedenkliche Phthalate, v.a. DEHP, in Konzentrationen von 1 bis 50 %.

Untersuchungen von 44 Proben Kinderuhren aus dem Jahre 2008 >

2010 wurden fünf Armbanduhren untersucht, darunter zwei für Kinder. Die Armbänder der beiden Kinderuhren bestanden aus PVC und enthielten beide den bedenklichen Weichmacher DEHP (6 bzw. 10%) sowie den toxikologisch noch nicht abschließend bewerteten Weichmacher DiBP (32 bzw. 27%).

 

Hat sich die Situation 2011 verändert – oder ist die Zeit stehen geblieben?

Um dieser Frage nachzugehen, wurden zu Beginn des Jahres 2011 am CVUA Stuttgart acht Armbanduhren aus Kunststoff untersucht. Bei fünf Proben handelte es sich dabei um Uhren für Kinder. Die Armbänder von sechs der acht Proben bestanden aus dem Kunststoff PVC. In fünf dieser sechs PVC-Proben (83%) wurde der gesundheitlich bedenkliche und für Spielzeug und Babyartikel verbotene Weichmacher Diethylhexylphthalat (DEHP) in Mengen von 9 bis 44 % festgestellt – trauriger Spitzenreiter ist hierbei ausgerechnet eine der Armbanduhren für Kinder. Nur in einer der PVC-Uhren wurden lediglich gesundheitlich unbedenkliche Weichmacher (Polyadipat, Diethylhexylterephthalat und Trimethylpentandioldiisobutyrat) eingesetzt.

 

Das CVUA Stuttgart zieht Bilanz:

Die Untersuchungsergebnisse dieser Stichproben zeigen erneut, dass viele Hersteller ohne rechtlich bindende Vorschriften nicht bereit sind, auf den Einsatz der gesundheitlich bedenklichen aber billigeren Phthalat-Weichmacher zu verzichten. Eine ausreichende Sensibilisierung der Verantwortlichen hinsichtlich der toxikologischen Relevanz dieser Stoffe besteht anscheinend noch immer nicht . Weitere Untersuchungen und Hinweise sind offensichtlich unerlässlich, um auf den Ersatz der bedenklichen Phthalate in körpernahen Produkten – vor allem in jenen für Kinder – hinzuwirken.

Für die Verbraucher stehen als Alternativen Armbanduhren ohne Anteile von PVC zur Verfügung: Kunststoffe wie Polyethylen oder Silikonkautschuk kommen ohne Weichmacher aus. Allerdings sind die Materialien der jeweiligen Produkte für den Verbraucher nicht ohne weiteres zu unterscheiden, da die Armbänder in allen Fällen aus weichen und biegsamen Kunststoffen bestehen.

 

Weitere Informationen

Beim Kunststoffmaterial Polyvinylchlorid (PVC) handelt es sich um ein an sich sehr hartes und sprödes Material. Zur Verwendung für die Herstellung von Uhrenarmbändern werden ihm Weichmacher in einer Menge von üblicherweise 30 bis über 40 % zugesetzt. Dadurch werden diese Produkte weich und dehnbar, so dass sie sich gut dem Arm anpassen aber gleichzeitig flexibel sind. Weichmacher sind im Kunststoff nicht fest gebunden und können deshalb bei intensivem Hautkontakt über den Schweiß durch die Haut aufgenommen werden.

Weichmacher können aus einer ganzen Reihe chemischer Substanzklassen bestehen, beispielsweise Phthalate, Adipate oder Citrate. Vor allem die häufig als Weichmacher verwendeten Phthalate sind aufgrund gesundheitlicher Aspekte in die Diskussion gekommen. Daher wurden die Phthalate DEHP, DBP und BBP für Spielzeug und Babyartikel generell verboten. Ein zusätzliches Verbot besteht für die Phthalate DINP, DIDP und DNOP für Spielzeug und Babyartikel, die in den Mund genommen werden können (REACH-Verordnung).

 

 

Text und Bild:
Autor(en): Dr. Antje Vollmer



Bitte beachten Sie, dass alle Meldungen den Kenntnisstand zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergeben!

help
Getestet und Empfohlen: Swagbucks-Bonus für Eltern

– Anzeige –

Aktuelle Tests…

ot-anilin

ÖKO-TEST Anilin in Kinderprodukten: Im roten Bereich

Anilin ist ein Farbstoffbestandteil, der unter Krebsverdacht steht. Das ÖKO-TEST-Magazin wollte in der aktuellen September-Ausgabe wissen, ob Kinderprodukte wie Jeans, Schuhe, Strumpfhosen und Malkreiden damit belastet sind. Fast alle 32 untersuchten Produkte enthalten – teilweise sogar große Mengen – Anilin und in einigen Fällen auch andere aromatische Amine.


– Anzeige –
Buch- und Lesetipps

Buchtips der Redaktion

In unseren Buch- und Lesetipps stellen wir ab und an interessante Lektüre vor. Da ist für Mama, Papa und die Kinder immer was dabei. Zur Übersicht >>

Aufgepasst bei Baby-Nestchen

Gitterbettschutz und Baby-Nestchen – Erstickungsgefahr für Säuglinge und Kleinkinder

Gitterbettschutz und Baby-Nestchen
Erstickungsgefahr für Säuglinge und Kleinkinder

Neben Stofftieren, Kissen, Decken können auch Baby-Nestchen die Gefahr für einen Erstickungstod erhöhen. Todesfälle haben in den letzten Jahren stark zugenommen

Babyschuhe ??? besser nicht !

Immer wieder - Schadstoffe und Gifte in Babyschuhen

Krabbelschuhe, Lederpuschen, Lauflernschuhe
In den letzten Wochen wurden vermehrt Babyschuhe zurückgerufen oder vom Markt genommen. Grund hierfür: Schadstoffe und Gifte wie etwa Chrom VI, Schimmel, Weichmacher, PAK's - allesamt sehr problematische Stoffe, die auf keinen Fall an Babyfüße gehören. 


Kindergeld: Auszahlungstermine 2015 der Familienkasse