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15.4.2010   |   Allgemein - Ernährung

Faule Ausreden und hanebüchene Rechtfertigungen: Lebensmittelhersteller zeigen beim Thema Etikettenschwindel wenig Einsicht


Um auf den systematischen Etikettenschwindel aufmerksam zu machen, führt foodwatch die Wahl zum Goldenen Windbeutel durch. Über die dreisteste Werbelüge des Jahres kann noch bis zum 22. April unter www.abgespeist.de abgestimmt werden

Geht es nach den Herstellern, sind fast alle Industrie-Lebensmittel gesunde, hochwertige und natürliche Qualitätsprodukte. So kreativ die Werbelyrik, so einfallsreich sind die Unternehmen auch, wenn sie beim Schummeln ertappt werden. Fünf Produkte stehen derzeit auf www.abgespeist.de zur Wahl für den Goldenen Windbeutel 2010, den Preis für die dreisteste Werbelüge des Jahres, vergeben von der Verbraucherrechtsorganisation foodwatch. Mit faulen Ausreden und wenig Einsicht haben die Hersteller versucht, ihren Etikettenschwindel zu rechtfertigen. „Die Firmen geben sich einsilbig, uneinsichtig und schwindeln weiter um die Wette“, kritisiert Anne Markwardt , Leiterin der foodwatch-Kampagne abgespeist.de.

 

So reagierten die Hersteller der fünf Kandidaten für den Goldenen Windbeutel auf die Mogel-Vorwürfe: 

Brauereikonzern Carlsberg ging gar nicht auf die Kritik ein, dass in seiner Bio-Limonade „beo Heimat Apfel und Birne“ nur 5,5 Prozent Bio sind (Zucker und Gerstenmalz) und statt echter Äpfel und Birnen nur Aromastoffe aus dem Labor für den Geschmack sorgen: „Wir können Ihnen versichern, dass wir uns bei der Beschaffung der Inhaltsstoffe für unsere Getränke und der Herstellung streng an die EU-Bio-Verordnung halten“, schrieb der „beo Verbraucherservice“ knapp an die Verbraucher.


Keine Einsicht auch bei Unilever. Eine „verbesserte Rezeptur“, verspricht der Konzern auf seiner Pastasauce „Bertolli Gegrilltes Gemüse“ – tatsächlich haben sich die Zutaten mit der Rezepturveränderung jedoch verschlechtert. Früher rein natürlich, jetzt mit Aroma, Geschmacksverstärker Hefeextrakt und E 330 (Citronensäure) – kein Widerspruch zur Aussage „verbesserte Rezeptur“, findet Unilever. Die neue Mischung habe den Kunden einfach besser geschmeckt, sagte ein Konzernsprecher gegenüber Medien. Insofern sei die Angabe „verbesserte Rezeptur“ auf den „subjektiven Geschmack der Testpersonen und nicht auf die Qualität der Inhaltsstoffe zurückzuführen“, zitierte Spiegel Online.


Wir wollen die Konsumenten auf keinen Fall täuschen oder irreführen, bekannte der österreichische Hersteller Pfanner. Genau das macht er aber: In seinem Wellness-Teegetränk „Der Gelbe Zitrone-Physalis“ ist die als „süße Frucht der Verführung“ angekündigte Physalis nicht einmal in Spuren enthalten – obwohl zwei der exotischen Früchte übergroß auf der Packung abgebildet sind. „In der Deklaration/Sachbezeichung auf der Verpackung wird auf alle Bestandteile hingewiesen. So ist jeder mündige Konsumt in der Lage, sich zu informieren und diese Information richtig zuzuordnen“, verwies der Hersteller zunächst aufs Kleingedruckte. Inzwischen erklärt Pfanner: „Wir sind aufgrund der Kritik von foodwatch auf der Suche nach Physalis-Saft.“ Bis die Suche erfolgreich beendet ist, bleibt das Produkt vor allem eines: Ein dreister Fall von Etikettenschwindel.


Die „Duett Champignon Creme-Suppe“ von Escoffier ist ein Produkt voller Zusatzstoffe und so gut wie eine herkömmliche Tütensuppe – aber drei bis vier Mal so teuer. Der Hersteller begründet das vor allem mit der Verpackung, denn verkauft wird die Suppe in zwei Dosen – in einer davon wird das Wasser zum Anrühren des Pulvers gleich mitgeliefert: „Zum Erhalt der Qualität wurde […] eine hochwertige Verpackung aus Weißblech gewählt, deren Einsatz preislich über dem herkömmlichen Preis für die Verpackung von Tütensuppen liegt“, schrieb Escoffier an Verbraucher, die sich via abgespeist.de beim Hersteller beschwert hatten. Im Klartext: Die Suppe in der Dose ist vor allem deshalb so teuer, weil sie in der Dose statt in der Tüte verkauft wird.



Auch Hersteller Zott wollte nicht erklären, warum er seinen „Monte Drink“ wie eine gesunde Zwischenmahlzeit für Kinder bewirbt, obwohl das Getränk mit umgerechnet acht Stück Würfelzucker sogar mehr Zucker als Cola enthält: „Jedes unserer Produkte und insbesondere die Kinderprodukte werden auf die Geschmacksakzeptanz beim Konsumenten geprüft. Völlig ungesüßte Produkte werden dabei geschmacklich abgelehnt“, so Zott. Dabei lautet die Alternative nicht: Viel Zucker oder gar kein Zucker – sondern: Ehrliche Werbung oder Mogelpackung.



Um auf den systematischen Etikettenschwindel aufmerksam zu machen, führt foodwatch die Wahl zum Goldenen Windbeutel durch. Über die dreisteste Werbelüge des Jahres kann noch bis zum 22. April unter www.abgespeist.de abgestimmt werden. „Nur öffentliche Kritik und der Ärger der Kunden können die Unternehmen zur Einsicht bringen“, erklärt Anne Markwardt.


Link: http://www.abgespeist.de




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