Gift-Cocktail in Kinderspielzeug: Gesetze verschärfen, Hersteller in die Verantwortung nehmen

04.2.2010 - Rubrik: Allgemein - Thema   

Stichwörter:

, ,




Neue Artikel:
Verschiedene Schadstoffe sammelten sich in den Körpern der Kinder an und könnten sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken

Nürnberg/Berlin: Zum Auftakt der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg warf der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den Herstellern von Kunststoffspielzeug vor, durch mit Schadstoffen belastete Produkte die Kindergesundheit auf Spiel zu setzen. Dieses Spielzeug enthalte häufig hormonell wirksame Stoffe wie Weichmacher, bromierte Flammschutzmittel und Organozinnverbindungen. Die Chemikalien sammelten sich in Kinderkörpern zu einem gefährlichen Giftcocktail an und könnten das fein ausbalancierte Hormonsystem stören. Mögliche Folgen seien Verhaltensauffälligkeiten, Unfruchtbarkeit oder sogar Krebs. Weder die europäische Chemikalienverordnung noch die EU-Spielzeugrichtlinie schützten die Kindergesundheit ausreichend. Selbst das Bundesinstitut für Risikobewertung habe die Spielzeugrichtlinie kürzlich als unzureichend kritisiert. 

Bild: BUND / Oliver Veit

Bild: BUND / Oliver Veit

Richard Mergner, Landesbeauftragter des Bund Naturschutz, dem BUND-Landesverband in Bayern: “Plüschige Teddys, Puppen und Planschtiere sind für unsere Kinder oft gefährliche Lieblinge. Die bisherigen Gesetze bieten nicht genügend Schutz. Hersteller und Händler dürfen nicht vor allem ihren Gewinninteressen folgen, wenn es auf Kosten der Gesundheit der Kinder geht. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner muss handeln: Riskante Chemikalien haben in Spielzeug nichts zu suchen.”

Der BUND warnte insbesondere vor einem “Cocktaileffekt” der hormonellen Chemikalien. Verschiedene Schadstoffe sammelten sich in den Körpern der Kinder an und könnten sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. Grenzwerte für einzelne Stoffe seien dann nutzlos. Auch hier hinke die europäische Gesetzgebung den Erfordernissen hinterher. So habe der europäische Umweltministerrat die Kombinationseffekte von Chemikalien zwar anerkannt. Doch die EU-Kommission wolle bis 2012 erst einmal prüfen, inwieweit die bisherigen Gesetze ausreichend vor den sich addierenden Wirkungen unterschiedlicher Chemikalien schützten.

BUND-Chemieexpertin Sarah Häuser: “Wenn man bedenkt, mit wie vielen Gegenständen aus Kunststoff Kinder täglich in Berührung kommen, kann man sich vorstellen, dass dabei ein ziemlicher Schadstoffcocktail zusammenkommt. Die meisten dieser Stoffe lassen sich im Blut der Kinder nachweisen. Viele Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Unfruchtbarkeit sind die Folgen des Plastik-Overkills. Dabei gibt es für die Spielzeughersteller genügend Alternativen zu den gefährlichen Stoffen.”

Beim Kauf von Spielwaren empfiehlt der BUND auf unabhängige Prüfsiegel etwa des TÜV Rheinland zu achten. Das europäische CE-Prüfzeichen hingegen sei Verbrauchertäuschung, da es sich die Hersteller selbst verliehen. Insbesondere aus Nicht-EU-Ländern importierte Ware müsse effektiver durch die Zoll- und Länderbehörden kontrolliert werden, bevor sie auf den Markt gelange, forderte der BUND.


Weitere Informationen finden Sie in der BUND-Broschüre “Gefährliche Lieblinge. Hormoncocktail in Plüsch und Plastik macht Kinder krank” unter http://www.bund.net/spielzeug
 
 
Einen BUND-Verbrauchertipp zum Umgang mit Spielzeug finden Sie hier >>


Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
Bundesgeschäftsstelle
Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin
Telefon: (030) 275 86 4 – 0, Fax: -40
E-Mail: bund@bund.net
www.bund.net

Bitte beachten Sie, dass alle Meldungen den Kenntnisstand zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergeben!

Hinterlassen Sie einen Kommentar zu diesem Artikel

Ein Hinweis zu den Kommentaren - einer Funktion, die Sie wenn dann freiwillig nutzen: Sie müssen dies nicht tun und wir bitten ausdrücklich darum, auf jeden Fall ein Pseudonym zu verwenden. Das genutzte Pseudonym wird in der Datenbank gespeichert und ist nicht für Dritte zugänglich.

Bitte beachten: Alle Kommentare werden vor Veröffentlichung geprüft - daher kann es unter Umständen einige Zeit dauern, bis Sie ihren Kommentar hier sehen können. Kommentare die offensichtlich mehr dazu dienen eine Internetadresse zu bewerben werden nicht freigeschaltet




Artikel nach Stichwörtern

Allergie Auto & Verkehr Azofarbstoffe Baby Brandgefahr E.coli EHEC Eltern Ernährung Erstickung Familie Formaldehyd Freizeit Garten & Natur Gesundheit HUS KiK Kind Kinder Kosmetik Krebserregend Lebensmittel Prüf- & Gütesiegel Publikationen Rapex Ratgeber Reach Verordnung Rückruf Rückrufe Spielzeug Schadstoffe Schuhe Schule Schwangerschaft Sicherheit Sommer Spielen Strangulation Stromschlag Test Textilien Umfrage Urlaub Verbraucherschutz Vergiftung Verletzung verschluckbare Kleinteile Weichmacher Weihnachten Winter Ökotest Österreich